3. Dekade 1965 - 1974

Zeit des politischen Umbruchs 

Das dritte Jahrzehnt nach Kriegsende war das politisch wohl bewegteste in der Geschichte der Bundesrepublik. Das gilt sowohl für die Geschichte der CDU im Oberbergischen als auch für die allgemeine Politik. Dies war allerdings bei der Bundestagswahl 1965 noch nicht abzusehen. Doch auch hier gab es rein organisatorisch durch die Neueinteilung der Wahlkreise erhebliche Veränderungen. Der oberbergische Kreis wurde zusammengelegt mit 20 Gemeinden des Rhein-Sieg-Kreises zum Wahlkreis 65. Kandidat der CDU für diese Wahl war der in Honrath wohnende Hauptgeschäftsführer des BDI, Professor Gustav Stein. 

Die Kreistagswahl 1964 brachte der CDU wiederum den Gewinn von 16 Mandaten. Landrat wurde Dr. Heinrich Schild aus Oedinghausen in der Gemeinde Nümbrecht. Somit fand ein Ämtertausch statt, denn Reinhard Kaufmann übernahm als bisheriger Landrat den Vorsitz der Kreistagsfraktion, den vorher Dr. Schild innehatte. Heinrich Schild war 1961 in den Kreistag gekommen und brachte als ehemaliger Bundestagsabgeordneter und Mitglied des Europaparlaments einen reichen Erfahrungsschatz ein. Als Werner Spielhoff 1963 verstarb, wurde Schild sein Nachfolger im Fraktionsvorsitz und er gehörte zu den profiliertesten Persönlichkeiten des oberbergischen Kreistages. 

Eines gelang ihm allerdings nicht: Bei der Landtagswahl 1962 wollte er gerne Nachfolger von Ernst Budde als Kandidat der CDU im Wahlkreis Oberberg Süd werden. Aber da war noch ein junger Mann aus Waldbröl, Kreistagsmitglied seit 1961, der sich gegen den Willen der Partei-Oberen, von der Jungen Union des Kreises und Landes massiv unterstützt, um dieses Mandat bewarb. Sein Name: Horst Waffenschmidt. Und Waffenschmidt gewann die Kampfabstimmung gegen Heinrich Schild und auch das Landtagsmandat bei der Wahl 1962. 

Daß Dr. August Dresbach bei den Bundestagswahlen 1957 und 1961 das Direktmandat im Oberbergischen Kreis errang, wurde schon erwähnt. Die Wahlperiode 1961-1965 war seine letzte. Seine Gesundheit, insbesondere sein schwindendes Augenlicht, ließen eine weitere politische Tätigkeit nicht zu. August Dresbach hat die Politik im Oberbergischen Kreis in dessen Aufbauphase nach dem Krieg wesentlich geprägt. Und, obwohl er nie Parteivorsitzender war, hat er auch das Parteileben erheblich beeinflußt. 

Auch mit Reinhard Kaufmann, Nachfolger von Ernst Budde im Parteivorsitz, arbeitete er eng zusammen. In der oberbergischen Kommunalpolitik dieser Jahre und in der CDU lief nichts ohne das Dreiergespann Kaufmann/Dresbach/Goldenbogen - bis auf die erwähnte Ausnahme: die Landtagskandidatur von Horst Waffenschmidt.