6. Dekade 1995 - 2004
Neue Köpfe – neue Herausforderungen
Im März 1996 feierte die CDU Oberberg in der Stadthalle Gummersbach den 50. Jahrestag der Gründung des Kreisverbandes. Das fröhliche Fest mit einem bunten Programm konnte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Partei schwierige Jahre bevorstanden. Die rot-grüne Ein-Stimmen-Mehrheit im Kreistag setze ihre mitunter wirklichkeitsfremden Vorstellungen durch, stellte mit Herbert Heidtmann als Landrat und Heribert Rohr als Oberkreisdirektor die Spitze in Kreistag und Verwaltung und ergänzte dieses Doppel noch im Jahr 1996 durch die Wahl eines der Partei der Grünen angehörenden Kreisdirektors. Auf Landesebene war die Situation schon seit vielen Jahren ähnlich bedrückend und in der Bundespolitik zeichnete sich das Ende der langjährigen Kanzlerschaft Helmut Kohls ab. Das Eintreten der CDU gegen eine generelle doppelte Staatsbürgerschaft brachte ihr harsche Medienkritik, jedoch viel Zustimmung in der Bevölkerung, als sie bei einem Aktionstag im Februar 1999 ihre Position erläuterte und dafür im Oberbergischen Kreis 11.000 Unterschriften sammelte. Auch mit der Spendenaffäre ging die CDU offensiv um und stellte sich im Frühjahr 2000 in allen Städten und Gemeinden des Kreises der Diskussion mit der Bevölkerung. Die Partei erntete Respekt für diese Haltung, die Sache selbst hatte jedoch erhebliche politische Auswirkungen bis in alle Verästelungen der Partei.
Dabei hatten die Erörterungen im Vorfeld der Bundestagswahl 1998 für die CDU Oberberg schon mit einem Paukenschlag begonnen. Während der Klausurtagung des Kreisvorstandes im Frühjahr 1997 erklärte Dr. Horst Waffenschmidt seinen Verzicht auf eine weitere Bundestagkandidatur. Als seinen Nachfolger schlug er mit einhelliger Unterstützung des Kreisvorstandes den Kreisvorsitzenden Klaus-Peter Flosbach vor. Die Meinungsbildung innerhalb der Kreispartei war klar und überzeugend. Am 14. August 1997 wurde Klaus-Peter Flosbach als Kandidat gewählt. Der Wahlkampf verlief sehr kontrovers und die Argumente prallten hart aufeinander. Der Wahlabend in der Außenstelle der Kreisverwaltung in Windhagen war ein Wechselbad der Gefühle. Als das Ergebnis gegen 23 Uhr feststand, fehlten Klaus-Peter Flosbach 359 Stimmen zum Sieg. Die CDU verlor erstmals in ihrer Geschichte das Direktmandat im Oberbergischen Kreis, und auf Bundesebene musste die Partei in die Opposition.
Der politische Stimmungsumschwung, zum Teil auch begründet durch viele Pannen und Ungereimtheiten der rot-grünen Bundesregierung seit 1998, zeichnete sich schon vor der Bundestagswahl ab. Bereits bei der Europawahl 1999, bei der erstmals EG-Ausländer in Deutschland wahlberechtigt waren, erzielte die CDU im Oberbergischen Kreis 52,5 % der Stimmen, zum Teil allerdings begünstigt durch die geringe Wahlbeteiligung. Die Kandidaten des Bergischen Landes, Klaus-Heiner Lehne und Dr. Peter Michael Mombaur, wurden wiedergewählt. Auch bei der Europawahl 2004 konnte die CDU im Oberbergischen Kreis über 50 % der Stimmen erzielen. Gewählt wurde wiederum Klaus-Heiner Lehne und erstmals Herbert Reul, der für den nicht mehr kandidierenden Dr. Peter Michael Mombaur das Bergische Land in Brüssel und Straßburg vertritt.
Wie bei der Europawahl profitierte die CDU auch bei der Landtagswahl 2000 vom schlechten Image der Bundesregierung. Es wäre allerdings zu einseitig, dies allein für den erstmals seit 1980 wieder erreichten Gewinn beider Landtagswahlkreise in Oberberg anzuführen. Die beiden Kandidaten Peter Biesenbach (Nordkreis) und Hagen Jobi (Südkreis) führten in Verbindung mit der Partei und ihren Vereinigungen einen engagierten Wahlkampf unter dem Motto „Gerechtigkeit für den ländlichen Raum“. Mit dem Erfolg von Peter Biesenbach im Nordkreis war gerechnet worden, der Sieg von Hagen Jobi über seinen Mitbewerber Wilfried Bergerhoff im Südkreis war allerdings eine echte Überraschung. Für die Landtagswahl 2005 stand Hagen Jobi, da er 2004 zum Landrat gewählt wurde, nicht mehr als Kandidat zur Verfügung. Um seine Nachfolge bewarben sich Corinna Bauer, Dr. Helmut Bechheim und Bodo Löttgen. Letzterer gewann diesen innerparteilichen Wettbewerb und wurde Kandidat für die Landtagswahl 2005, ebenso wie Peter Biesenbach im Nordkreis.
Die erwähnte Wahl von Hagen Jobi als Landrat des Oberbergischen Kreises war der Schlusspunkt einer für die CDU positiven kommunalpolitischen Entwicklung im Berichtszeitraum. Bei der Kommunalwahl 1999 wurden erstmals in Nordrhein-Westfalen die Landräte, Oberbürgermeister und Bürgermeister direkt gewählt. Schon in 1997 liefen die Vorbereitungen für die Direktwahlen an und 1998 wurden bereits in sechs Städten/Gemeinden die Kandidaten für die Bürgermeister aufgestellt. Da auch Hans-Leo Kausemann als ehemaliger Landrat und amtierender stellv. Landrat seine Bereitschaft zur Kandidatur erklärt hatte, wurden schon im Europawahlkampf 1998 die Kommunalpolitik und die bereits nominierten Kandidaten mit einbezogen. So wurde die Kommunalwahl 1999 für die CDU Oberberg ein großer Erfolg. Bei der Kreistagswahl gewann die CDU alle 27 Direktmandate und zusätzlich 2 Listenmandate. Bei der Direktwahl des Landrats erreichte Hans-Leo Kausemann 54,8 %. Und das gegen den amtierenden Oberkreisdirektor Heribert Rohr von der SPD, dem auch politisch Andersdenkende eine gute und sachliche Amtsführung bestätigen. In 7 von 13 Gemeinden stellte die CDU den Hauptamtlichen Bürgermeister und erreichte in allen Räten die absolute Mehrheit. Ein solches Ergebnis war nicht unbedingt erwartet worden, denn im Vorfeld der Wahl gab es als Folge der Nominierung der Kreistagskandidaten durch den Stadtverband Waldbröl erhebliche Spannungen, die auch in der Presseberichterstattung ihren Niederschlag fanden. Erst durch die Entscheidung der Kreisdelegiertenversammlung wurden die strittigen Fragen entschieden. Neuer Fraktionsvorsitzender als Nachfolger von Dr. Hans Horn wurde Klaus-Peter Flosbach.